Der Versöhnungstag
Der Doppelabschnitt beginnt in der Zeit nach dem Tod der beiden Söhne Aharons (Aaron), als Gott Mosche (Mose) unterweist, wann und wie der Kohen Gadol (der Hohepriester) den heiligsten Ort betreten darf. Nur einmal im Jahr, am Jom Kippur (der Versöhnungstag), darf Aharon in die innerste Kammer kommen, und nur mit sorgfältiger Vorbereitung, besonderen weißen Gewändern und einer Wolke aus Räucherwerk. Der Dienst kreist um zwei Ziegenböcke: der eine wird Gott dargebracht, der andere in die Wüste zu Asasel geschickt und trägt sinnbildlich die Sünden des Volkes fort. Aharon bekennt das Vergehen der Nation und erwirkt Sühne für das Heiligtum, die Priester und ganz Israel. Die Tora setzt dies als ewige Satzung ein, einen jährlichen Tag des Fastens und der Umkehr.
Blut und Leben
Die Tora wendet sich der Heiligkeit des Blutes und des rechten Gottesdienstes zu. Opfer dürfen nur zum Eingang des Mischkan (Stiftshütte) gebracht und nicht auf freiem Feld geschlachtet werden, wo Menschen falschen Göttern opfern könnten. Israel wird geboten, niemals Blut zu verzehren, denn das Leben eines Geschöpfes ist in seinem Blut, und Blut wird zur Sühne auf dem Altar gegeben. Wer ein Tier oder einen Vogel jagt, muss dessen Blut ausgießen und mit Erde bedecken. Durch diese Gesetze lehrt die Parascha Ehrfurcht vor dem Leben selbst und vor dem Gott, der es gibt.
Verbotene Bindungen
Gott warnt Israel, die unsittlichen Bräuche des Landes Ägypten, das es verlassen hat, oder des Landes Kanaan, in das es zieht, nicht nachzuahmen. Eine Reihe von Gesetzen bestimmt die Grenzen von Familie und Nähe und verbietet blutschänderische und andere verderbte Verbindungen samt dem Dienst am Molech, der Kinder verschlang. Die Tora betont, dass eben diese Taten die früheren Bewohner des Landes befleckten und dass das Land selbst solche Verderbnis nicht duldet. Heiligkeit, so beharrt die Parascha, muss bis in die verborgensten Winkel des Lebens reichen.
Ihr sollt heilig sein
Die zweite Hälfte beginnt mit einem klingenden Ruf, der der Parascha Kedoschim ihren Namen gibt: Ihr sollt heilig sein, denn ich, Gott, bin heilig. Was folgt, ist eine der reichsten Sammlungen von Geboten in der Tora, welche die Liebe zu Gott an die Liebe zu den Menschen bindet. Israel wird geboten, die Eltern zu ehren und den Schabbat zu halten, die Ecken des Feldes und die Nachlese der Ernte den Armen und dem Fremden zu lassen, ehrlich zu handeln, einen Arbeiter pünktlich zu entlohnen und einem Blinden niemals ein Hindernis in den Weg zu legen. Inmitten dieser Gesetze leuchtet der Vers im Herzen der Schau der Tora: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Heiligkeit ist hier kein Rückzug aus der Welt, sondern Gerechtigkeit, Güte und Redlichkeit, in ihr gelebt.
Ein abgesondertes Volk
Der Doppelabschnitt schließt, indem er die schwersten der zuvor genannten Verletzungen mit ernsten Folgen verknüpft und zeigt, wie tief der Tora an der Heiligkeit von Leben, Familie und Gottesdienst gelegen ist. Gott verdammt jene, die ihre Kinder dem Götzen Molech geben, und jene, die sich Totenbeschwörern und Zauberei zuwenden, und bekräftigt die bereits beschriebenen verbotenen Verbindungen. Durch das Kapitel zieht sich ein wiederholter Ruf zur Absonderung, denn Israel wird geboten, zwischen dem Reinen und dem Unreinen zu unterscheiden und anders zu leben als die Völker ringsum. Die Lesung endet, wie sie begann, mit der Erinnerung, dass Israel abgesondert ist, um heilig zu sein, weil Gott heilig ist und dieses Volk sich nahe gezogen hat.
