Was ist das Schema?
Das Schema (wörtlich ‚Höre') ist das zentrale Glaubensbekenntnis des Judentums, das die Einheit Gottes bekräftigt. Sein Eröffnungsvers – ‚Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist Einer' (Schema Jisrael, Adonai Elohenu, Adonai Echad) – ist der bekannteste Satz im Judentum. Das Schema ist genau genommen kein Gebet, sondern eine Erklärung und Annahme der göttlichen Wahrheit.
Biblische Quelle
Das Schema stammt aus drei Abschnitten der Tora: 5. Mose 6:4–9 (der erste Abschnitt über die Liebe zu Gott), 5. Mose 11:13–21 (der zweite Abschnitt über Belohnung und Bestrafung) und 4. Mose 15:37–41 (der dritte Abschnitt über Zizit und das Gedenken an die Gebote). Diese Abschnitte wurden von den Weisen ausgewählt, um täglich gesprochen zu werden.
Der erste Abschnitt (We'ahawta)
Der erste Abschnitt beginnt mit der Erklärung der Einheit Gottes und fährt fort mit dem Gebot, Gott zu lieben ‚mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.' Er weist uns an, diese Worte unseren Kindern zu lehren, ständig von ihnen zu sprechen, sie als Zeichen zu binden (Tfillin), sie an unsere Türpfosten zu schreiben (Mesusa) und sie stets in unserem Leben gegenwärtig zu halten.
Der zweite Abschnitt (Wehaja Im Schamoa)
Der zweite Abschnitt behandelt das Konzept von Belohnung und Bestrafung. Wenn wir Gottes Geboten folgen, werden wir Regen zu seiner Zeit und landwirtschaftlichen Überfluss erhalten. Wenn wir abweichen, wird der Himmel verschlossen und das Land wird keinen Ertrag bringen. Dieser Abschnitt bekräftigt dieselben Praktiken von Tfillin und Mesusa, die im ersten Abschnitt erwähnt werden.
Der dritte Abschnitt (Wajomer)
Der dritte Abschnitt gebietet das Tragen von Zizit (Fransen) an den Ecken der Kleidung. Der blaue Faden (Techelet) erinnert uns an den Himmel und Gottes Thron. Dieser Abschnitt erinnert auch an den Auszug aus Ägypten, weshalb er einbezogen wird – wir sind verpflichtet, täglich an den Auszug zu gedenken. Der Abschnitt schließt mit: ‚Ich bin der Ewige, euer Gott, der euch aus Ägypten geführt hat, um euer Gott zu sein.'
Wann man das Schema spricht
Das Schema wird zweimal täglich gesprochen: am Morgen (Schacharit) und am Abend (Maariv). Das Morgen-Schema sollte vor dem Ende der dritten Tagesstunde gesprochen werden. Das Abend-Schema kann ab Einbruch der Nacht bis Mitternacht gesprochen werden (manche sagen bis zur Morgendämmerung). Außerdem wird das Schema als Teil der Nachtgebete gesprochen und ist traditionell die letzten Worte, die ein Jude vor dem Tod spricht.
Wie man das Schema spricht
Beim Sprechen des ersten Verses bedecken Sie Ihre Augen mit der rechten Hand, um die Konzentration zu fördern. Sprechen Sie jedes Wort sorgfältig und deutlich aus. Verlängern Sie den letzten Buchstaben von ‚Echad' (Einer) und meditieren Sie dabei über Gottes Herrschaft in allen Richtungen und Dimensionen. Nach dem ersten Vers sagen Sie leise ‚Baruch Schem Kewod Malchuto Le'olam Wa'ed' (Gesegnet sei der Name Seines herrlichen Reiches für immer).
Die Bedeutung des Schema
Das Schema gilt als das wichtigste Gebet im Judentum, weil es den Kern des jüdischen Glaubens zusammenfasst: Monotheismus und den Bund zwischen Gott und Israel. Es wird seit Jahrtausenden von Juden gesprochen, einschließlich Märtyrern, die mit diesen Worten auf den Lippen starben. Das Schema dient als zweimal tägliche Erneuerung unserer Hingabe an Gott und Seine Lehren.